Barbier

Barbiere gibt es heute keine mehr...

Es interessiert Sie dennoch,...

... Was ein Barbier ist und welche Aufgaben er hatte?

Die Geschichte der Barbiere und der Bedeutungswandel des Wortes "Barbier" ist in der Tat bemerkenswert.

"Barbier" kommt von frz. "barbe" ("Bart") und ist ein alter Handwerksberuf. Als Barbiere bezeichnete man im Mittelalter und in der frühen Neuzeit Menschen, die im Bereich der Körperpflege, Wundheilung und Krankenpflege tätig waren. Dazu gehörten beispielsweise Bartscherer, Badeknechte und Krankenpfleger.

Der Barbier versorgte zusammen mit dem Bader in dessen Badestube die vorwiegend männlichen Klienten, indem er deren Haare und Bärte pflegte. Zur Aufgabe der Barbiere gehörten außerdem das Zähneziehen, der Aderlass und ähnliche Behandlungen.

Sie sehen, Barbiere waren nicht nur für das Bartscheren und Haareschneiden zuständig, wie dies oft vermutet wird, sondern hatten einen außerordentlich umfangreichen Arbeitsbereich, den man heute zu Recht dem der Ärzte zuordnen würde.

Doch wie wurde der Beruf des Barbiers zum eigenständigen Handwerk?

Es ist anzunehmen, dass die Barbiere sich aus den Badeknechten entwickelt und auf einige bestimmte Aufgaben der Bader spezialisiert haben.

Sie wurden erstmals 1397 in einem Amtsbrief in Köln erwähnt. Die ersten Barbierzünfte sind allerdings erst ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in den Hansestädten zu finden: 1457 in Danzig, 1480 in Lübeck, 1486 in Hamburg.

Die Badestuben erlebten seit dem 16. Jahrhundert einen steten Niedergang, sodass sich der Beruf des Barbiers zunehmend zu einem eigenständigen Handwerk entwickelte. Zwar gehörte sowohl der Beruf des Baders als auch der des Barbiers zum Chirurgenhandwerk, die Barbiere jedoch waren unabhängiger und konnten auch außerhalb der Barbierstuben arbeiten. Barbiere unternahmen bis ins 18. Jahrhundert hinein riskante, aber gewinnbringende Eingriffe wie Steinschnitte, Starstiche, Amputationen und sogar operative Geburtshilfe.

Die Mehrheit der Barbiere allerdings lebte von einfachen, gering bezahlten Tätigkeiten wie beispielsweise dem Rasieren, dem Aderlassen, Schröpfen und Zahnziehen sowie von Wund- und Frakturbehandlungen. Auch in der inneren Medizin und der Pharmazie besaßen Barbiere und Bader entgegen den gesetzlichen Verordnungen Kenntnisse.

Zunehmende Spezialisierung und anschließender Niedergang...

Im frühen 19. Jahrhundert mit zunehmender Professionalisierung der Ärzte spezialisierten sich auch die Barbiere immer weiter. Sie konzentrierten sich nun immer mehr auf das Bartscheren und Haareschneiden. Hiermit erlangte die Berufsbezeichnung ‚Barbier‘ die Bedeutung, die noch heute oft mit ihr in Verbindung gebracht wird.

Es entstand der neue Zweig der Perückenmacher, der sich aber nur schwer gegen den Widerstand der Bader und Barbiere zu etablieren vermochte. Die Perückenmacher begannen sich daraufhin auf Damenfrisuren zu spezialisieren, während die Barbiere sich als Herrenfriseure zu profilieren versuchten. Als gegen Ende des 19. Jahrhunderts der Rasierhobel erfunden wurde, gingen viele Männer dazu über, sich selbst zu rasieren. Die Rasur beim Barbier oder Herrenfriseur wurde damit zur Ausnahme und der Beruf des Barbiers verlor zunehmend an Bedeutung.

Rasierer

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